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BRK Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl

Der Kreisverband Rottal-Inn setzt auf Kontinuität

Die neue (alte) Vorstandschaft und Ehrengäste: vorne v. links BRK-Kreisgeschäftsführer Herbert Wiedemann, Kreisbereitschaftsleiter Christoph Kaiser, 2. stellv. Vorsitzender Heinrich Müller, Landrat u. BRK-Kreisvorsitzender Michael Fahmüller, 1. stellv. Vorsitzende Brigitta Moser, MdL Reserl Sem, der Vorsitzende der Kreiswasserwacht, Hans Nothaft – dahinter v. links: Bürgermeister Wolfgang Beißmann, Rettungsdienstleiter u. stellv. Kreisgeschäftsführer Johann Haider, Schatzmeister Thomas Gfirtner, Chefarzt Dr. Gerald Dietrich, stellv. Schatzmeister RA Korbinian Boidol, stellv. Kreisbereitschaftsleiter Josef Schreiner und stellv. KWW-Vorsitzender Josef Feigl.

Kontinuität kennzeichnete in der Mitgliederversammlung des BRK Rottal-Inn die turnusmäßigen Neuwahlen: Die Vorstandsmitglieder, an der Spitze seit 2013 Landrat u. BRK-Kreisvorsitzender Michael Fahmüller, haben wieder kandidiert und sind jeweils einstimmig im Amt bestätigt worden – ebenso wie bereits im Vorfeld Kreisbereitschaftsleiter Christoph Kaiser und sein Stellvertreter Josef Schreiner.

Zu seinem ersten Vierjahresbericht als Vorsitzender verwies Michael Fahmüller auf den vorliegenden Geschäftsbericht 2013 - 2016 des BRK-Kreisverbandes und beschränkte sich auf wesentliche Entwicklungen bzw. prägende Ereignisse „aus vier ereignisreichen Jahren“. Er ging z.B. auf die feierliche Einweihung des BRK-Rettungs- und Sozialzentrums in Eggenfelden im November 2013 ein; sein Vorgänger Helmut Kneip und Kreisgeschäftsführer Herbert Wiedemann hatten dieses größte Bauprojekt des BRK-KV auf den Weg gebracht.

Ein bedeutender Arbeitgeber sei der BRK-Kreisverband mit fast 800 Beschäftigten geworden, wobei die sozialen Aufgaben mit Schwerpunkten in der stationären und ambulanten Pflege überwiegen. Dazu führte Fahmüller u.a. die Eröffnung der nach Simbach a. Inn, Gangkofen und Wurmannsquick vierten Altenpflege-Einrichtung in Bad Birnbach im April 2014 an – das Lebenszentrum Gräfin Arco, geführt nach dem Konzept der Hausgemeinschaften, bietet 60 Senioren sowohl Sicherheit in der Pflege als auch ein angenehmes neues Zuhause. Weiter sprach der Vorsitzende das Engagement für alternative Wohnformen an, wie die Einrichtungen des betreuten Wohnens in Massing, Triftern und Bad Birnbach – außerdem die Tagesbetreuungen in Triftern, Johanniskirchen und Eggenfelden sowie die im November 2016 eröffnete und schon sehr gut genützte Tagespflege in Gangkofen.

Während die Anpassungen der BRK-Angebote an neueste gesetzliche Vorgaben wie das Pflegestärkungsgesetz II oder das Pflegewohnqualitätsgesetz in vollem Gang oder bereits erfolgt sind, bereitet Fahmüller der überall erkennbare Mangel an Fachkräften Sorgen. Obwohl das Rote Kreuz allen Einrichtungen seit vielen Jahren Fachkräfte in der Pflege ausbilde, komme es zu Engpässen. „Wir halten es für dringend notwendig, dass der Staat alle seine Möglichkeiten ausschöpft, den Beruf der Pflege attraktiv zu gestalten und dass die Zuwanderung ausländischer Pflegekräfte aus nicht EU-Ländern sowohl erleichtert als auch gefördert wird“, sagte der Vorsitzende; der Pflegenotstand könne auch zum Pflegekollaps führen, „und das darf nicht passieren“, gab er zu bedenken.

Zum Rettungsdienst, „ Markenzeichen der Tätigkeit des Roten Kreuzes“, stellte Fahmüller Fortschritte, erreicht u.a. in Zusammenarbeit mit dem Rettungszweckverband Passau, heraus: z.B. den weiteren Rettungswagenstellplatz in Tann (ab 01/2016) und die Ausweitung der Vorhaltung am Stellplatz in Gangkofen. „Das Zusammenwirken ehren- und hauptamtlicher Kräfte ist die Garantie für einen ausgezeichneten Schutz der Bevölkerung bei medizinischen Notlagen“, betonte er dazu. Weitere im Bereich Einsatzdienste bewältigte organisatorische Herausforderungen: Umstellung auf die Integrierte Leitstelle mit Einführung der allgemeinen Notrufnummer 112, Anpassung der Alarm-/Ausrückpläne sowie Neudefinition „Alarmschwellen“. „Die Verantwortlichen des Rettungsdienstes, der Bereitschaften und der Wasserwacht haben hier in Zusammenarbeit mit der ILS ausgezeichnete Arbeit geleistet“, unterstrich Fahmüller. Zudem sei die gewaltige Aufgabe der Einführung des Digitalfunks zu schultern gewesen.

Dominierend natürlich die Großereignisse: die Flüchtlingswelle Mitte September bis Mitte Dezember 2015 – täglich wurden mit höchster Disziplin und Kompetenz in Ering und Simbach a. Inn von den Bereitschaften und der Wasserwacht bis zu 2500 Menschen betreut und versorgt. Dank sagte der Vorsitzende allen Führungskräften, Helferinnen und Helfern, „die diesen extrem langen Sanitäts- und Betreuungseinsatz getragen haben“.

Schließlich, als die Nachbearbeitung des Flüchtlingseinsatzes abgeschlossen war, die  „Naturkatastrophe Fluthochwasser“ am 01. Juni 2016: Fahmüller erinnerte an die in nicht gekannter Geschwindigkeit eingetretenen Überflutungen und großflächigen Zerstörungen – an die Menschen, die Hab und Gut verloren sowie an die sieben Menschen, die ihr Leben lassen mussten. „Die Leistung der Wasserwacht und der Bergwacht bei den Lebensrettungen, sei es mit Booten oder Hubschraubern und der Einsatz der Wasserretter ist als bewundernswert zu betrachten, denn die Helfer haben teilweise ihr eigenes Leben riskiert, um andere Menschen zu retten“, sagte der Vorsitzende. Nicht weniger bedeutend seien der Rettungs- und Sanitätsdienst in der Akutphase und in der Zeit des Aufräumens gewesen. „Das Rote Kreuz hat nicht nur die Versorgung und Absicherung der Bevölkerung mit Bravour gelöst, es wurden täglich mehrere tausend Menschen mit Getränken, Speisen und Hygieneartikeln versorgt – zusätzlich wurden die Altenheime mit Trink- und Brauchwasser versorgt, viele Menschen mit neuer Kleidung ausgestattet und Hilfe geleistet, wo Not am Mann war, auch oft unspektakulär durch den Kriseninterventionsdienst“, fasste Fahmüller zusammen. Zudem ging er auf die von ihm angesichts der seelischen Verletzungen der Menschen initiierte „Flutopfernachsorge“ ein, die aus Spendenmitteln des DRK finanziert wird.

Die Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Kräfte im Zusammenspiel mit hauptamtlichen Verantwortungsträgern als Fundament des BRK-Handelns – um dies auch künftig mit ausreichend Helferinnen und Helfern zu garantieren, ist im BRK-KV laut Fahmüller das Projekt „Ehrenamtskoordinator“ entstanden: Es wurde eine zusätzliche, mit EU-Mitteln geförderte hauptamtliche Stelle geschaffen. Früchte trage das Projekt schon, ersichtlich an der erfreulichen Entwicklung der Mitgliederzahl im Jugendrotkreuz. Dem außergewöhnlichen Engagement der Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter sei es zu verdanken, dass das Rote Kreuz in der Jugendarbeit gegen den Trend spürbare Zuwachszahlen verzeichne. „Die Jugendarbeit ist unsere Zukunft als Hilfsorganisation – es gilt, sie zu fördern und auszubauen“, betonte Fahmüller.

Blick nach vorn: umfangreich sei das Projekt „Beschaffung eines Containerabsetzfahrzeuges für den Betreuungsdienst“; der Realisierung näher komme der Bau eines Rotkreuzhauses in Gangkofen. Grundsätzliches: Die längst überfällige Freistellung ehrenamtlicher Helfer des Roten Kreuzes und anderer Hilfsorganisationen analog derjenigen von  Freiwilligen Feuerwehren habe die hoffentlich endgültige Hürde genommen. Der Vorsitzende verwies noch auf die gut laufende Werbeaktion – nach drei Wochen habe man bereits knapp 1.000 neue Fördermitglieder gewinnen können. „Das zeigt, die Bevölkerung steht zum Roten Kreuz im Landkreis Rottal-Inn“, sagte Fahmüller.

Allen ehrenamtlichen Kräften, hauptamtlichen Beschäftigten, Freunden und Förderern des BRK-KV sprach Fahmüller Dank aus, explicit auch MdL Reserl Sem für die Unterstützung.

„Lassen Sie alle nicht nach, sich an den Diensten und Aufgaben des Roten Kreuzes aktiv zu beteiligen, sei es bei der Blutspende, dem Kriseninterventionsdienst, der Betreuung alter und kranker Menschen, in unseren Einsatzdiensten – wir haben für alle helfenden Hände die passende Aufgabe“, ermunterte Fahmüller zur aktiven Beteiligung.

In ihren Grußworten sprachen Bürgermeister Wolfgang Beißmann und MdL Reserl Sem dem BRK-KV für seine vielfältigen Leistungen herzlichen Dank aus, besonders für die Bewältigung der zusätzlichen Herausforderungen. Beißmann ging u.a noch auf die Bedeutung der Sanitätsdienste für die Durchführung von Großveranstaltungen ein, die man sonst der Bevölkerung nicht bieten könne. Sem betonte u.a., die Helfergleichstellung könne nur ein Stück Gerechtigkeit sein.

Schatzmeister Thomas Gfirtner lieferte den Finanzbericht 2013 bis 2016. Sein Fazit und Ausblick: „Es ist uns gelungen, trotz aller Neuinvestitionen, den Kreisverband und seine Einrichtungen weiterhin finanziell stabil zu halten. … Die finanzielle Situation des Kreisverbandes stellt sich positiv dar. Wir haben in den vergangen Jahren ein solides Fundament geschaffen, um auch weiterhin eine erfolgreiche Rotkreuzarbeit leisten zu können“. Im Revisionsbericht erläuterte Thomas Herrmann (Haushaltsausschuss), dass den geprüften Jahresabschlüssen der uneingeschränkte Bestätigungsvermerk erteilt worden sei – „und der Vorstand wurde also entlastet“.

Die Neuwahlen brachte die Versammlung unter der Leitung des Vorsitzenden der Kreiswasserwacht, Hans Nothaft, zügig über die Bühne – alle Vorstandsmitglieder traten ohne Gegenkandidaten erneut an und wurden einstimmig wiedergewählt: 1. Vorsitzender Landrat Michael Fahmüller (Egglham), 1. stellv. Vorsitzende Brigitta Moser (Bayerbach), 2. stellv. Vorsitzender Heinrich Müller (Schwaibach), Chefarzt Dr. Gerald Dietrich (Eggenfelden, Ärztl. Dir. der Kreiskrankenhäuser Rottal-Inn) und in Abwesenheit dessen Stellvertreter Dr. Rolf Buckert (Triftern), Schatzmeister Thomas Gfirtner (Eggenfelden) und dessen Stellvertreter RA Korbinian Boidol (Simbach a. Inn) sowie in Abwesenheit Justiziar RA Günter Weiß (Pfarrkirchen). Die geheime Wahl des Haushaltsausschusses ergab diese Besetzung: Thomas Herrmann (Wasserwacht Eggenfelden), Bertram Neureiter (Bereitschaft Bad Birnbach), Bettina Diem (Bereitschaft Arnstorf), Magnus Gößl (WW Pfarrkirchen), Maria Gruber (WW Eggenfelden), Christin Kögl u. Eva Hager (bd. WW Postmünster).

Vorsitzender Michael Fahmüller zeichnete mit Kreisgeschäftsführer Herbert Wiedemann ehrenamtliche Aktive für außergewöhnliche Verdienste um das BRK aus: mit der Ehrennadel des Bayer. Roten Kreuzes in Gold KBL Christoph Kaiser (seit 1997 im Amt), stellv. KBL Josef Schreiner (seit 1997 im Amt) und Josef Zitzelsberger (u.a. 8 J. stellv. KWW-Vors.); mit der Ehrennadel in Silber Jürgen Hutstein (u.a. 8 J. Leiter der Jugendarbeit).

Begrüßt hatte Fahmüller namentlich auch: die Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen von SPD, FW, ödp – Kurt Valleé, Werner Schießl, Sepp Rettenbeck; Bgm. Josef Auer (Verbandsrat Rettungszweckverband) aus Massing u. Bgm. Josef Sailer aus Bayerbach; Monika Meyer, stellv. Leiterin PI Pfarrkirchen; Stephan Goblirsch, Leiter PI Simbach a. Inn; Christian Biedermann, stellv. Leiter PI Eggenfelden; vom THW die Ortsbeauftragten Florian Wagner (Eggenfelden) u. Wolfgang Plietsch (Simbach a. Inn); Wolfgang Bernroiter vom ÖRK Braunau; Helmut Kneip, langjähriger Schatzmeister u. Vorsitzender des BRK Rottal-Inn.

Kreisbereitschaftsleiter Christoph Kaiser und dessen Stellvertreter Josef Schreiner waren im Vorfeld der Versammlung einstimmig wiedergewählt worden. Sie hatten in ihrem Bericht den Anstieg der Aktivenzahlen und ehrenamtlichen Einsatzstunden (2013: 18.525 –> 2016: 30.448) ebenso dargestellt wie die Hintergründe (Flüchtlingswelle, Flut- und Hochwasser-katastrophen) – sowie weiter Ausbildungsmaßnahmen, Beschaffung von Fahrzeugen und  Ausrüstung etc. erläutert. In ihrem Ausblick skizzierten sie den vorgesehenen Ausbau der Einsatzdienste HvO/UG Rett, die Aufstellung eines Vierjahresplanes für den Übungs- bzw. Ausbildungsbetrieb und das geplante „BRK-TrainingsCamp 2020“.

12. Mai 2017 11:02 Uhr. Alter: 218 Tage